Martina Schoder
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22.03.2019

24.08.2007

Am 24. August 2007 wurde mir im Rahmen des Bad Homburger Herbstsalons der Artlantis-Kunstpreis verliehen. Darüber freue ich mich sehr.

Kunstverein Bad Homburg artlantis e.V. www.galerie-artlantis.de


Pessestimmen

HA-30.08.2007-Labile Stabilität.pdf HA-30.08.2007-Labile Stabilität.pdf (167.77 KB)

artlantis_kunstpreis_bhw30082007.pdf artlantis_kunstpreis_bhw30082007.pdf (143.87 KB)

tonkettenschreien_fnp_28082007.pdf tonkettenschreien_fnp_28082007.pdf (167.47 KB)


Laudatio

zur Verleihung des Artlantis-Kunstpreises an Martina Schoder am 24. August 2007
von Esther Walldorf M.A., Bad Nauheim

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Jungherr,
meine Damen und Herren, liebe Kunstfreunde und liebe Künstler,

für den Beginn meiner Rede haben sich viele Zitate über Kunst angeboten, doch sie wären ohne jeden persönlichen Bezug zu der Person geblieben, die hier heute mit dem Artlantis-Kunstpreis ausgezeichnet wird.
Während unserer Jurysitzung fiel jedoch ein Satz - nachdem wir bereits eine einstimmige Wahl getroffen hatten - den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Bei der Bewertung von zeitgenössischer Kunst - dies sei noch vorausgeschickt - gehen kunsthistorischer Erfahrungsschatz und Wissen sowie ein Bauchgefühl immer Hand in Hand. Als wir nach Worten, Begriffen und Kategorien zur präzisen Beschreibung unserer Wahrnehmungen und vor allem zum Begreifen und Verstehen der prämierten Arbeiten suchten, fiel ein Satz von entwaffnender Einfachheit und auch leisem Witz. Sinngemäß lautet er: „Jeder sollte eigentlich solche Objekte bei sich zu Hause haben, um diese täglich zu begreifen, um diese täglich zu erleben."

Mit dem diesjährigen Artlantis-Kunstpreis wird die in Niederdorfelden und Hanau lebende und arbeitende Künstlerin Martina Schoder ausgezeichnet. Die Jury, für die ich hier sprechen darf, gratuliert Ihnen, sehr geehrte Frau Schoder, herzlich zum Artlantis-Kunstpreis. Sie zeigen hier im Herbstsalon eine Installation mit Objekten aus gebranntem Ton. Uns als Betrachter erscheinen diese Objekte zunächst durch ihre Formgebung sehr vertraut, man meint Bekanntes, vertraute Dinge zu sehen und Nähe stellt sich ein. Bei einem zweiten Blick erscheinen ihre Skulpturen, die aus Ringen zu Ketten und Kettenkörpern zusammengefügt sind, jedoch verschlüsselt, denn die Bestimmung, die Funktion dieser Objekte, kann nicht erschlossen werden. Bei den beiden aus Terrakotta gearbeiteten Objekten meint man vertraute Naturformen zu entdecken.


Im nächsten Moment fühlt man sich jedoch an archaische, durch Menschenhand geformte Gegenstände erinnert. Ein weiteres Wechselspiel entsteht durch die Perforation der Keramikkörper: Material und Innenraum, Licht und Schatten bestimmen diese Objekte. Die aus Ketten zusammengefügten Skulpturen bestehen aus zahllosen, in sich stabilen Ringen aus Ton, die sich zu beweglichen, ja labilen Kettenskulpturen verbinden. Die Möglichkeit zur Veränderung und des Gebrauchs tragen diese Skulpturen in sich: Erst durch die Hängung oder Platzierung erhalten sie eine räumliche Gestalt, die durch Eingriffe immer wieder neu geordnet und definiert werden kann. Durch diese Wandlungsmöglichkeiten können diese Skulpturen in Bezug zu ihrer Umgebung gesetzt werden. Martina Schoders Skulpturen haben einen menschlichen Maßstab, sie können leicht in die Hand genommen oder mit beiden Händen getragen werden. Über das Sehen hinaus ergeben sich weitere Arten der Annäherungen: In dem Betasten, in der Berührung der Skulpturen, ihrer Formen und Oberflächen, gewinnen diese eine haptische Präsenz. Berührt, ja greift man zum Beispiel in die an die Wand gehängten Kettenskulpturen hinein, so entwickeln sich die einzelnen, spröde anmutenden Ringe im Verbund zu einem Objekt von unerwarteter Geschmeidigkeit. Finger und Hände werden von dem Kettenkörper wiederum berührt, es entsteht ein Dialog. Begleitet wird dieses Begreifen der Skulptur von einer akustischen Wahrnehmung: ein leises Klirren wird hörbar, wenn sich die einzelnen Ringe verschieben und berühren und erinnern an die Härte und gleichzeitig große Zerbrechlichkeit des Tons, aus dem diese Skulpturen geschaffen sind.

In ihrem Urteil über die Skulpturen von Martina Schoder befand die Preisjury: „Die Arbeiten zeigen ein sprödes Geschmeide, das im Gebrauch, im Vorgang des Begreifens Leben gewinnt und dessen Berührung vielfältig an sinnliche Lust gemahnt."

Für die Verleihung des Artlantis-Kunstpreises möchte ich nun das Wort an Frau Oberbürgermeisterin Dr. Jungherr weitergeben.


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Herbstsalon 2007 im Kunstverein Bad Homburg Artlantis

2. Bad Homburger Herbstsalon vom 24.08. - 23.09.2007

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