Martina Schoder
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22.03.2019

27.02.1997

"meine Hand, mit ihrem von blauen, geheimnisvollen Adern durchflochtenen Fächer von Knochen und ihrem erstaunlichen Aussehen nach Zweckdienlichkeit, Geschmeidigkeit und der Fähigkeit, sich sanft zu krümmen oder jäh zu zermalmen"

virginia woolf: die wellen


Elf nach dem Maßstab der menschlichen Hand entwickelte Objekte, die z.T. beweglich sind, hängen an der Wand oder sitzen in Ecken und Winkeln des Raumes. Die weißen Gipsobjekte im ebenso weißen Schauraum verlocken durch ihr glattes, kühles Material zu spielerischem Berühren; zugleich signalisieren sie Gefahr als empfindlich zerbrechliche Formen.

SEQUENZ

Ausgangspunkt dieser Arbeit mit Wand-Objekten von Martina Schoder ist die Auseinandersetzung mit Wahrnehmungsmustern und -formen:

Den Betrachtern und Betrachterinnen ist nicht nur die visuelle Annäherung an die Arbeit nahegelegt - die Konzeption der Objekte spielt über Form, Größe und Oberflächenbeschaffenheit auch mit dem Wunsch deren Erfassung über Berührung. Gleichzeitig schafft die Platzierung einiger Stücke im Raum und das Bewußtsein der Betrachterin oder des Betrachters, daß es sich hier um einen Ausstellungs- mithin zumeist Schau-Raum handelt, eine tatsächliche Berührungen eher unterbindende Distanz zu den Objekten. In diesem Falle ist der reale, kontrollierte Verzicht Verweis auf des imaginierte, hedonistische Berühren.

Dass das in bestimmtem Umfang empfindliche Material Spuren möglicher realer Begegnungen zeigen könnte, ist von der Künstlerin in der Konzepation der Arbeit berücksichtigt. So unterliegt nicht nur die Wahrnehmung der Objekte durch die Besucher sondern eben auch das ausgestellte Objekt im Verlauf der Ausstellung einer Veränderung. Das Maß dieser Veränderung ist auch Spiegel einer Auseinandersetzung mit tradierten Annäherungsformen wie mit der künstlerischen Arbeit.

Entschließt sich der Rezipient, die Rezipientin zu einer Kombination aus Sehen und Berühren, ist nicht nur die Koordination von geschautem Bild, architektonischem Raum und der eigenen Bewegung in ihm nötig, sondern auch die hinreichende Synthetisierung möglicherweise kontradiktionärer Erlebnisebenen.

Das Größen-Maß der Arbeiten ist bestimmt im Hinblick auf diese Berührungen: Größe und Bewegungsspezifik der menschlichen Hand ist das Maß aller (gezeigten) Dinge.

Kuratorin: Charly Steiger
Fotos: Sven Michel

FR - 10.03.1997 - Die Strafe der Berührung FR - 10.03.1997 - Die Strafe der Berührung (65.67 KB)

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