Martina Schoder
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11.12.2017

25.08.-03.10.2013

Zum dritten mal startet im Spätsommer 2013 das Projekt "Kunst in Kirchen" in der Wetterau. Zwischen Münzenberg und Bad Nauheim-Steinfurth wurden sechs KünstlerInnen in sechs Kirchen eingeladen, um diese als Kunsträume zu gestalten. Das zentrale Thema ist das Element ERDE. Die Evangelische Kirche in Bad Nauheim/Steinfurth wird von Martina Schoder verwandelt. Die in Niederdorfelden und Hanau lebende und arbeitende Künstlerin hat plastische Arbeiten entwickelt, die unter dem Titel „Sinnliches Schöpfen“ (zuerst pflanzte Gott einen Garten) das Thema Erde unmittelbar mit dem Material Ton und dem Begriff des Pflanzenwachstums verbinden.

Sinnliches Schöpfen (zuerst pflanzte Gott einen Garten)

„Ich greife das Thema Erde als sinnlich gegenüber geistig auf. Sie ist Ausdruck von sinnlicher Körperlichkeit und als „Materia prima" - Ursprung allen Lebens - Grundlage für das Pflanzenwachstum und damit Ursymbol für Fruchtbarkeit. Erde steht für den Körper, das Materielle, die Skulptur aus Erde für das Irdische, das Hier und Jetzt, das Diesseits orientierte, im Gegensatz zum Transzendenten oder Göttlichen. Kunst im aktiven Kirchenraum kann diese Begegnung besonders eindrücklich bewirken."

Der Kirchenbau selbst dient der Künstlerin als Inspiration und führt in der Installation „Sinnliches Schöpfen" zu zwei korrespondierenden Elementen: zum einen die Rosetten, die in den Kirchenfenstern schweben, zum anderen die hoch gewachsene Skulptur als Samenstand oder Fruchtform.

Die drei Spitzbogen Fenster im gotischen Chor waren bis 1890 mit Glasmalerei versehen und großteils verdeckt von der Orgel, die erst 1966 versetzt wurde an ihren heutigen Standort im Langhaus des Kirchenbaus. Das schöne helle Licht ist also erst seit kurzem ein Merkmal der Jahrhunderte alten protestantischen Kirche in Steinfurth. Ein Schlussstein im spätgotischen Putzgewölbe des Chors trägt die Jahreszahl 1517, vermutet wird aber 1490 als Entstehungsjahr der heutigen Kirche. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte oft umgebaut und erhielt 1667 ihren barocken Glockenturm.

Heute liefern die hohen Fenster mit unverzierter Bleiverglasung viel Licht für die üppige florale Malerei im Chorgewölbe. Im Einklang mit diesem filigranen Maßwerk hängen nun 12 filigrane „Rosetten" als „Blütenregen" im Gegenlicht der Kirchenfenster. Sie zeigen Wachstumsmuster und verdeutlichen ein Naturprinzip, das rund, zyklisch und weiblich ist. Die transparenten Formen bilden eine organische Geometrie, die speziell für Steinfurth auf dem Pentagramm basiert, also der Zahl 5, deren mystisch aufgeladene Symbolik sich im Grundriss der Apfelblüte (Rosengewächs) wieder findet und als „göttliches Harmoniemaß" häufig als Grundlage sakraler architektonischer Gestaltung diente - auch in den Fensterrosetten gotischer Kathedralen.

Der „Blütenregen" der Rosetten Unikate aus weißer gebrannter Keramik ist luftig leicht im Gegensatz zu der erdverbundenen und zugleich aufstrebenden Wuchsform aus schwarzem Ton. Unter dem Titel „Sprießen Wachsen Fruchten" haben sich viele Perlen oder Samenkapseln vereint zu einer hohen Solitär Form. Auch sie nimmt Bezug zur gotischen Architektur der Kirche. Die hohe, schlanke Form ist ein wiederkehrendes Element in den Fenstern und in der von den Kirchenbänken nicht einsehbaren, überraschend geformten Öffnung, die den Aufgang zur Kanzel ermöglicht.

Inspirierend war ebenfalls eines der in der Kirche zahlreichen, dunklen Ölgemälde, das direkt neben „Sprießen Wachsen Fruchten" hängt. Es zeigt die Wappenvögel der Freiherren von und zu Löw - die weltlichen Herren der Kirche seit dem 16. Jhdt. - zwei Kraniche, zu deren Füßen sich Traubenfrüchte türmen. Sie erinnern an die Kugeln aus dunkel gebrannter Tonerde, die mit Löchern und Transparenz eine eigene Kraft und Ruhe ausstrahlen, dabei ihren rätselhaften Ursprung aber nicht preisgeben.


Kunst in Kirchen in der Wetterau 2013
Einladung, Lageplan und Programm zum download:
kik_einladung.pdf kik_einladung.pdf (2.19 MB)

Der Katalog zum Projekt liegt direkt in den Kirchen vor, auch nach der Ausstellung. Zwei meiner 12 Rosetten gehören weiterhin zur Evangelischen Kirche Bad Nauheim/Steinfurth.

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Kunst in Kirchen 2013

Zeitgenoessische Kunst in Kirchen der Wetterau

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